Zu Lebzeiten galt Wilhelm Kaulbach (1805 1874) als §einer der bedeutendsten deutschen Vertreter §monumentaler Historienmalerei. Das "Narrenhaus" (um §1830), die Zeichnung von Wilhelm Kaulbach, die sich §die vorliegende Arbeit zum Thema gemacht hat, §scheint mit den Allegorien und Historien, die seinen §Ruhm als Maler begründeten, unvereinbar zentrales §Motiv sind tatsächlich Narren, also psychisch kranke §Menschen. Dennoch sollte dieses Blatt nicht als ein §in jugendlichem Leichtsinn angefertigtes und damit §zu vernachlässigendes Frühwerk abgetan werden. Denn §gerade der Wahnsinn erweist sich als geeignetes §Forschungsobjekt einer interdisziplinär §ausgerichteten Kunstwissenschaft. Aufgrund der §Schwierigkeit, wenn nicht gar der Unmöglichkeit, §wahnsinniges Verhalten präzise zu definieren, wird §Wahnsinn zur Interpretationssache. So spiegelt das, §was als wahnsinnig angesehen wird, die Anschauungen §des Interpretierenden. Das Bild des Wahnsinns, wie §es im "Narrenhaus" zur Geltung kommt, liefert daher §wichtige Hinweise zum Verständnis einer sowohl in §ästhetischen als auch in medizinischen Belangen §gespaltenen Epoche zwischen Moderne und Tradition.