Am frühen Morgen aus dem Haus treten - in den wilden, überwachsenen, noch im Schatten versunkenen Garten. Die Kühle, die Stille, das Rauschen der Blätter, das Aufblitzen der Sonne in den Bäumen, das Tanzen der Lichtflecken auf dem Gras. Auf die ersten Gäste warten, nichts vorhaben, nichts müssen, einfach in den Tag hineinleben - in einen Datscha-Tag. Ab und zu gibt es am Abend ein Fest, denn im Grunde bedeutet die Datscha Zusammensein. Und noch viel mehr. Sie ist eine Institution, ein Stück russischer Geschichte und Kultur: Auf der Datscha langweilte sich Oblomow; Turgenjews Familienvater ging hier der Liebe zur Nachbarin nach; Tschernyschewskis Revolutionäre schmiedeten hier ihre Weltverbesserungspläne und Gorki verpackte seine Kritik an der Intelligenzija in das Stück »Datschniki«, zu deutsch »Sommergäste«. Marina Rumjanzewas erzählt die Geschichte der russischen Institution Datscha, reich bestückt mit Beispielen aus der russischen Literatur (zum Teil erstmals ins Deutsche übersetzt) und versehen mit den schönsten Datscha-Bildern aus zwei Jahrhunderten.